WHO-Leitlinien für Innenraumluftqualität: Feuchtigkeit und Schimmel

Zusammenfassung der „WHO Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould" (WHO-Regionalbüro für Europa, 2009)

ℹ️ Diese Seite fasst die zentralen Aussagen der WHO-Leitlinie in eigenen Worten zusammen. Sie ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Beratung. Die vollständige Leitlinie ist am Ende dieser Seite verlinkt.

Worum es in der Leitlinie geht

Die WHO veröffentlichte diese Leitlinie, nachdem eine internationale Expertengruppe die vorhandene wissenschaftliche Literatur zu Feuchtigkeit, mikrobiellem Wachstum und Gesundheitseffekten in Innenräumen systematisch ausgewertet hatte. Ziel war es, weltweit anwendbare Empfehlungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit zu formulieren – unabhängig von Klimazone oder wirtschaftlicher Entwicklung eines Landes.

Die Leitlinie betont, dass Menschen einen Großteil ihrer Zeit in Innenräumen verbringen und dass Feuchtigkeitsschäden hunderte Arten von Bakterien und Pilzen begünstigen können, sobald ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Was die wissenschaftliche Beweislage zeigt

Die Expertengruppe kam zu dem Schluss, dass ausreichend epidemiologische Belege aus verschiedenen Ländern und Klimazonen vorliegen, um zu zeigen: Bewohner feuchter oder schimmelbelasteter Gebäude haben ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden, Atemwegsinfekte und eine Verschlechterung von Asthma. Einige Hinweise deuten zusätzlich auf ein erhöhtes Risiko für allergische Rhinitis hin.

Klinische Belege zeigen ein erhöhtes Risiko für seltenere Erkrankungen wie Hypersensitivitätspneumonitis, allergische Alveolitis, chronische Rhinosinusitis und allergische Pilzsinusitis.
Toxikologische Studien (im Labor sowie am lebenden Organismus) bestätigen entzündliche und toxische Reaktionen nach Kontakt mit Mikroorganismen aus feuchten Gebäuden – einschließlich ihrer Sporen und Stoffwechselprodukte.
Zwar sind Menschen mit Allergien oder atopischer Veranlagung besonders empfindlich, doch die Leitlinie stellt klar, dass gesundheitliche Auswirkungen auch bei nicht-atopischen Menschen nachgewiesen wurden.

Wichtig: Die Leitlinie betont, dass die steigende Häufigkeit von Asthma und Allergien in vielen Ländern die Zahl der Menschen erhöht, die für die Auswirkungen von Feuchtigkeit und Schimmel besonders anfällig sind.

Wie verbreitet ist Feuchtigkeit in Innenräumen?

Nach Angaben der Leitlinie schwankt die Häufigkeit feuchtigkeitsbelasteter Innenräume stark – abhängig von Land, Kontinent und Klimazone.

10–50 %
der Innenräume in Europa, Nordamerika, Australien, Indien und Japan sind laut Schätzungen der Leitlinie von Feuchtigkeit betroffen

In bestimmten Regionen wie Flusstälern oder Küstengebieten fällt die Belastung laut Leitlinie noch deutlich höher aus als im jeweiligen nationalen Durchschnitt.

Wodurch Feuchtigkeit in Gebäuden entsteht

Die Leitlinie beschreibt, dass Feuchtigkeit meist nicht durch einzelne dramatische Ereignisse wie Rohrbrüche oder Überschwemmungen entsteht, sondern überwiegend durch einströmende Luft – etwa durch die Gebäudehülle eindringende Außenluft oder durch die alltäglichen Aktivitäten der Bewohner (Kochen, Duschen, Wäschetrocknen).

Kältebrücken – z. B. Metall-Fensterrahmen, an denen Oberflächen kühler werden als die Umgebungsluft und dadurch Kondenswasser entsteht.
Unzureichende Dämmung – begünstigt Temperaturunterschiede, die zur Unterschreitung des Taupunkts führen können.
Ungeplante Luftwege und ungünstig geführte Kaltwasserleitungen oder Klimaanlagenteile können ebenfalls Oberflächentemperaturen unter den Taupunkt senken.

Die zentralen Empfehlungen der WHO

✓ Anhaltende Feuchtigkeit und mikrobielles Wachstum auf Oberflächen und in Bauteilen sollten vermieden oder minimiert werden, da sie gesundheitsschädlich wirken können.
✓ Als Hinweise auf Feuchtigkeit gelten Kondensation auf Oberflächen, sichtbarer Schimmel, wahrgenommener muffiger Geruch sowie eine Vorgeschichte von Wasserschäden.
✓ Da sich der Zusammenhang zwischen Feuchtigkeit, mikrobieller Exposition und Gesundheitseffekten nicht präzise quantifizieren lässt, gibt es keine empfohlenen zahlenmäßigen Grenzwerte für Mikroorganismen-Belastung – stattdessen wird konsequente Prävention und Sanierung empfohlen.
✓ Gut geplante, gut gebaute und gut gewartete Gebäudehüllen sind entscheidend, um Kältebrücken und das Eindringen von Wasser zu verhindern.
✓ Gebäudeeigentümer tragen die Verantwortung für eine gesunde, feuchtigkeitsfreie Bau- und Wartungsqualität; Bewohner sind für einen angemessenen Umgang mit Wasser, Heizung und Lüftung verantwortlich.
✓ Feuchtigkeit und Schimmel treten besonders häufig in schlecht instand gehaltenem Wohnraum einkommensschwacher Haushalte auf – die Leitlinie fordert, die Sanierung dieser Wohnungen vorrangig zu behandeln.

Kernaussage der Leitlinie

Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung gesundheitlicher Folgen ist die Prävention beziehungsweise Minimierung anhaltender Feuchtigkeit und mikrobiellen Wachstums in Gebäuden. Da keine sicheren Grenzwerte existieren, gilt: Feuchtigkeitsschäden sollten grundsätzlich vermieden und bei ihrem Auftreten konsequent behoben werden – unabhängig davon, wie stark sie im Einzelfall "gemessen" werden können.

Quelle: WHO Regional Office for Europe (2009): WHO Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould. Genf/Kopenhagen: World Health Organization.
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