Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Schimmel

Ein zentrales Nachschlagewerk für Begriffe, die in den Artikeln dieses Blogs immer wieder vorkommen. Alphabetisch sortiert.

Aktinobakterien

Bakterien, die bei Feuchtigkeitsschäden fast immer zusammen mit Schimmelpilzen auftreten und – anders als weitläufig angenommen – oft für den typischen "muffigen" Geruch verantwortlich sind, nicht der Schimmel selbst. Sie bilden ebenfalls Sporen und können Entzündungsreaktionen auslösen.

aw-Wert (Wasseraktivität)

Maß dafür, wie viel Wasser in einem Material tatsächlich für Mikroorganismen "verfügbar" ist – nicht zu verwechseln mit der relativen Luftfeuchtigkeit im Raum. Werte zwischen 0 (trocken) und 1 (reines Wasser). Die meisten Schimmelpilze benötigen einen aw-Wert von mindestens 0,7–0,8, um zu wachsen.

Beta-Glucan (1,3-β-D-Glucan)

Bestandteil der Zellwand von Schimmelpilzen. Gilt als entzündungsförderndes Signalmolekül, das vom angeborenen Immunsystem erkannt wird – unabhängig davon, ob der Schimmelpilz lebendig oder bereits abgestorben ist.

ERMI (Environmental Relative Moldiness Index)

Ein in den USA entwickelter Index, der über eine molekularbiologische Analyse (qPCR) von Hausstaub das Verhältnis bestimmter "wassserschadenassoziierter" zu "üblichen" Schimmelpilzarten berechnet. Ursprünglich für Forschungszwecke entwickelt, wird er inzwischen auch kommerziell zur Einschätzung von Wohnräumen angeboten – seine Aussagekraft für Einzelfälle ist in der Fachwelt allerdings umstritten.

HERTSMI-2

Eine verkürzte, auf fünf besonders relevante Schimmelpilzarten reduzierte Variante des ERMI-Verfahrens. Wird teils zur Verlaufskontrolle genutzt, etwa um einzuschätzen, ob eine Wohnung nach einer Sanierung wieder unbedenklich erscheint.

KBE/m³ (Kolonie-bildende Einheiten pro Kubikmeter)

Standardmaß bei der Luftkeimsammlung: Wie viele lebensfähige, kulturell anzüchtbare Schimmelpilzkolonien pro Kubikmeter Luft nachgewiesen werden können. In Deutschland gibt es dafür keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte – Innenraumwerte werden meist mit einer parallel gemessenen Außenluftprobe verglichen.

Mykotoxine

Giftstoffe, die manche (nicht alle) Schimmelpilzarten unter bestimmten Bedingungen bilden können – etwa Aflatoxine oder Trichothecene. Bislang gibt es keine standardisierten, medizinisch anerkannten Verfahren, um eine Mykotoxin-Belastung im Wohnraum oder im menschlichen Körper zuverlässig zu messen und zu bewerten.

MVOC (Microbial Volatile Organic Compounds)

Flüchtige organische Verbindungen, die beim Stoffwechsel bzw. beim Zersetzen von Material durch Schimmelpilze und Bakterien entstehen. Sie sind mitverantwortlich für den charakteristischen Geruch bei Feuchtigkeitsschäden, lassen sich messtechnisch erfassen, gelten aber – ähnlich wie Mykotoxin-Messungen – nicht als etablierte medizinische Standarddiagnostik.

Nutzungsklassen

Ein Konzept aus dem aktuellen UBA-Leitfaden (2024): Räume werden je nach Nutzungsintensität in Klassen eingeteilt (z. B. Wohn-/Büroräume vs. selten genutzte Kellerräume), da die Sanierungsanforderungen an einen Schimmelschaden unterschiedlich streng ausfallen sollten.

Schimmelbefall vs. Kontamination

Wichtige Unterscheidung: "Befall" bedeutet, dass Mikroorganismen aktiv in oder auf einem Material wachsen. Eine reine "Kontamination" bezeichnet dagegen nur von außen abgelagerte Sporen ohne aktives Wachstum – bewertungstechnisch ein entscheidender Unterschied.

Sporen

Die "Fortpflanzungszellen" von Schimmelpilzen, mit denen sie sich über die Luft verbreiten. Sporen sind in praktisch jeder Innen- und Außenluft in gewissem Umfang vorhanden – vollständige Sporenfreiheit ist weder realistisch noch das Ziel einer Sanierung.

ℹ️ Dieses Glossar wird laufend ergänzt, wenn neue Begriffe in Artikeln auftauchen. Fehlt dir ein Begriff? Schreib mir gerne.