Eileen‘s Geschichte

 Meine Schimmelgeschichte, als mein Zuhause mich krank machte

2024 zog ich in eine Wohnung mit einer Hoffnung, die für mich damals ganz selbstverständlich war: Ich wollte endlich ankommen.

Ich wollte einen Ort haben, den ich mein Zuhause nennen konnte. Einen Ort, an dem ich bleiben kann. Einen Ort, an dem ich mich sicher fühle und vielleicht irgendwann sagen kann: Hier bin ich angekommen.

Die ersten Monate schien alles in Ordnung zu sein.

Schon vor meinem Einzug hatte ich bestehende Magen-Darm-Probleme. Ich kannte meine Beschwerden und wusste, dass mein Körper nicht immer problemlos mit allem zurechtkam. Aber ich konnte meinen Alltag leben. Ich konnte essen, arbeiten, Termine wahrnehmen und mein Leben führen.

Mit der Zeit veränderte sich das.

Meine Beschwerden wurden immer schlimmer. Ich vertrug plötzlich immer weniger Lebensmittel. Aus gelegentlichen Problemen wurden immer häufigere und längere Schübe. Teilweise dauerten diese Schübe vier Wochen. Vier Wochen, in denen ich kaum etwas bei mir behalten konnte und immer wieder erbrechen musste.

Die Übelkeit verschwand irgendwann nicht mehr.

Sie war nicht mehr nur ein Symptom, das kam und wieder ging. Sie wurde zu meinem ständigen Begleiter.

Gleichzeitig wurde ich immer erschöpfter. Eine Müdigkeit, die ich vorher nicht kannte, nahm immer mehr Raum in meinem Leben ein. Ich konnte teilweise kaum noch meine Augen offen halten. Dazu kamen Kreislaufprobleme, Ausschläge, immer wieder Erkältungs- und Bronchitissymptome, eine Lungenentzündung, Muskel- und Nervenschmerzen, Gelenkschmerzen, ständige Kopfschmerzen, Zittern und Ohnmachtsanfälle.

Ich wusste nicht, was mit mir passiert.

Ich ging von Arzt zu Arzt.

Ich suchte nach einer Erklärung. Nach irgendeinem Hinweis darauf, warum mein Körper plötzlich nicht mehr so funktionierte wie früher.

Doch immer wieder bekam ich keine Antwort.

Stattdessen wurde vieles auf meine Psyche geschoben.


Während ich selbst immer kränker wurde, begann ich irgendwann, meine Umgebung genauer wahrzunehmen.

Denn bereits beim Einzug war mir Schimmel in der Küche aufgefallen. Er wurde oberflächlich behandelt, doch er kam wieder.

Dann entdeckte ich weitere Stellen.

Im Schlafzimmer. Im Wohnbereich.

Je genauer ich hinsah, desto mehr wurde mir bewusst, dass es sich nicht um ein kleines Problem handelte.

Die Wohnung war kalt und feucht. Die Luftfeuchtigkeit lag teilweise dauerhaft bei 70 bis 90 Prozent, unabhängig davon, wie viel ich lüftete.

Irgendwann stellte ich mir zum ersten Mal eine Frage, die alles verändern sollte:

Was, wenn meine Beschwerden mit dieser Wohnung zusammenhängen?

Nach meiner Corona-Infektion hatte ich bereits bemerkt, dass mit meinem Körper und insbesondere mit meinem Immunsystem etwas nicht mehr stimmte. Aber in dieser Wohnung hatte ich das Gefühl, dass mein gesamtes System immer weiter zusammenbrach.

Mein Immunsystem. Mein Nervensystem. Mein Körper.


Dann kam der Tag, an dem mein Körper endgültig nicht mehr konnte.

Ich saß draußen auf der Terrasse.

Es war ein ganz normaler Tag. Nichts an diesem Tag ließ mich ahnen, dass mein Leben sich danach grundlegend verändern würde.

Am nächsten Morgen konnte ich nicht mehr aufstehen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass dies der Beginn von neun Monaten Bettlägerigkeit sein würde.

Von diesem Tag an war mein Leben plötzlich auf mein Bett reduziert.

Ich konnte nicht mehr einfach aufstehen, duschen, einkaufen oder das Haus verlassen. Selbst wenige Sekunden im Stehen waren irgendwann zu viel. Ich konnte teilweise nicht länger als ein paar Sekunden stehen, ohne dass mein Kreislauf versagte.

Die Dinge, die für andere selbstverständlich sind, wurden für mich zu unüberwindbaren Aufgaben.

Duschen. Zähne putzen. Haare waschen. Mich anzuziehen. Mich um mich selbst zu kümmern.

Ich konnte mich nicht mehr so pflegen, wie ich es gewohnt war. Irgendwann schnitt ich mir sogar meine langen Haare ab, weil ich sie im Liegen nicht mehr richtig pflegen konnte. Selbst Duschen war nur noch möglich, wenn ich dabei liegen konnte.

Es war nicht einfach nur Müdigkeit.

Es war das Gefühl, dass mein Körper seine grundlegendsten Funktionen nicht mehr bewältigen konnte.

Ich war auf mein Bett angewiesen. Acht Monate lang.

Acht Monate, in denen mein Leben stillstand, während die Welt draußen weiterlief.

Während andere aufstanden, zur Arbeit gingen, Freunde trafen, einkauften und ihr Leben lebten, lag ich in meinem Bett und musste meine gesamte Energie darauf verwenden, irgendwie durch den Tag zu kommen.

Ich hatte Angst.

Angst davor, dass es nie wieder anders werden würde.

Angst davor, dass niemand verstehen würde, was mit mir passiert.

Gleichzeitig wusste ich immer noch nicht genau, warum mein Körper so zusammengebrochen war.

Ich wusste nur: Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.

Irgendwann war für mich klar: Ich muss aus dieser Wohnung raus.

Ich zog aus.

Ich hatte wieder Hoffnung.

Ich dachte, vielleicht ist das jetzt der Neubeginn, den ich so dringend brauche.

Eine neue Wohnung. Eine neue Umgebung. Endlich die Chance, gesund zu werden.

Doch diese Hoffnung hielt nicht lange.

Nach kurzer Zeit kamen die Beschwerden wieder.

Wieder Übelkeit. Wieder Erschöpfung. Wieder die anderen Symptome, die ich inzwischen so gut kannte.

Dann begann ich, auch in dieser Wohnung genauer hinzusehen.

Als ich die Tapete entfernte, kam darunter zum Vorschein, was man von außen nicht sehen konnte: eine dunkle, stark belastete Wand.

Wieder Schimmel.

Auch im Zusammenhang mit der Dusche gab es Probleme, unter anderem fehlten Fugen in der Dusche. Feuchtigkeit gelangte in Bereiche, in denen sie nicht hingehörte, und schließlich zeigte sich auch im Flur Schimmel.

Der Albtraum begann von vorne.

Wieder verschlechterte sich mein Zustand.

Für mich war irgendwann nicht mehr zu übersehen, dass sich mein Befinden und meine Wohnsituation immer wieder miteinander überschnitten.

Ich begann, mich intensiv mit dem Thema Schimmel und möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auseinanderzusetzen. Ich versuchte zu verstehen, was mit mir passiert sein könnte. Warum mein Körper so stark reagierte. Warum ich immer weniger belastbar wurde. Warum ich so viele unterschiedliche Beschwerden entwickelte und trotzdem jahrelang keine eindeutige Erklärung bekam.

Aus einem Menschen, der einfach nur ein Zuhause gesucht hatte, wurde ein Mensch, der ständig darauf achten musste, ob die eigenen vier Wände überhaupt sicher sind.

Ich habe Kleidung gewaschen und aussortiert. Dinge weggeworfen, die ich über Jahre besessen hatte. Ich habe meine Umgebung immer wieder kontrolliert und versucht, Spuren der alten Belastung nicht mit in mein neues Leben zu nehmen.

Mehr als hundert Kleidungsstücke habe ich schließlich aussortiert.

Es war nicht einfach nur ein Umzug.

Es fühlte sich an, als müsste ich Stück für Stück mein altes Leben zurücklassen, in der Hoffnung, meinen Körper endlich aus dieser Belastung herauszubekommen.

Heute weiß ich, wie sehr mich diese Jahre verändert haben.

Schimmel war für mich irgendwann nicht mehr einfach ein Fleck an einer Wand.

Er wurde zum Symbol für eine Zeit, in der ich meinen eigenen Körper nicht mehr verstanden habe.

Für unzählige Arztbesuche.

Für Tage, an denen ich kaum essen konnte.

Für Nächte, in denen mir schlecht war.

Für Erschöpfung, die selbst Schlaf nicht mehr zu lösen schien.

Für neun Monate, in denen ich mein Bett kaum verlassen konnte.

Für die Angst, dass niemand mir glaubt.

Vor allem für die Frage:

Was passiert mit einem Menschen, wenn er jahrelang in einer Umgebung lebt, in der er sich eigentlich sicher fühlen sollte, während sein Körper immer weiter abbaut?

Ich habe lange nach Antworten gesucht.

Ich suche sie teilweise noch immer.

Aber eines habe ich gelernt:

Ein Zuhause sollte ein Ort sein, an dem man gesund werden kann.

Ein Ort, an dem man die Tür hinter sich schließt und aufatmet.

Ich hatte lange genau davon geträumt.

Stattdessen musste ich lernen, dass vier Wände nicht automatisch Sicherheit bedeuten und dass man manchmal erst gehen muss, um überhaupt die Chance zu bekommen, wieder zu sich selbst zurückzufinden.

Das ist meine Schimmelgeschichte.